Im Laufe der letzten 50 Jahren hat sich vieles in Punkto Kindererziehung getan. Daher kann es vorkommen, dass Eltern überfordert sind – und nicht wissen, welche und wie viele Regeln und Grenzen ihren Kindern gut tun.

„Bin ich etwa zu streng oder zu lasch? Meine Eltern waren zu streng, zu antiauthoritär, das hat mir nicht gut getan. Diese und ähnliche Fragen beschäftigen Eltern in Punkto Erziehung.“

Kinder brauchen Regeln und Grenzen

  • Regeln und Grenzen geben Kindern Halt
  • Sie wissen, woran sie sich halten dürfen
  • Dadurch bekommen sie Orientierung und Sicherheit
  • Dabei spielt die Konsequenz der Eltern die größte Rolle
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Am Besten verstehen wir die Situation für die Kinder, wenn wir die Fragestellung des heutigen Artikels in die „Erwachsenenwelt“ portieren.

Wie würdest DU dich fühlen, wenn du bei einer bestimmten Person, z.B. deinem Chef oder Kollegen nicht weißt, wo du dran bist? Die Situation verunsichert dich, oder? Und genauso geht es auch unseren Kindern. Sie möchten wissen, wie die andere Person(en), ihre Eltern, ticken.

Die Frage ist also nicht, OB Kinder Regeln und Grenzen brauchen, sondern welche. 

Kinder bei Regeln mitbestimmen lassen

Kinder möchten Verantwortung übernehmen. Schritt für Schritt. Zum einen möchten sie so sein wie die Eltern und machen ihnen vieles nach, das ist der gesunde Lern- und Entwicklungsprozess, zum Anderen stärkt und fördert es deren Selbstwertgefühl, wenn sie merken, dass sie eine Aufgabe gemeistert haben.

Warum also den Kindern nicht die Möglichkeit geben, bei bestimmten Regeln mitzubestimmen? Dabei spielt die Alter des Kindes natürlich eine Rolle.

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Hier zwei Beispiele:

  • Hausaufgaben: Der Klassiker – Manche Kinder machen die Hausaufgaben gerne und sofort, bei manchen Kindern laufen Eltern ihren Kindern hinterher, damit die Hausaufgaben erledigt sind. Ob die Hausaufgaben gemacht werden, sollte außer Frage stehen. Wie kann ich das Kind also mit einbeziehen? Vielleicht hilft es dem Kind zu entscheiden, wann es die Hausaufgaben macht. Direkt nach der Schule oder erst später? Braucht es erst einmal eine Ruhepause oder möchte es vorher eine Weile mit Freunden spielen?
  • Im Haushalt helfen: Falls euer Kind in ihrem Haushalt helfen „darf“: Welche Aufgaben macht euer Kinder lieber als andere oder von welchen ekelt es sich vielleicht regelrecht? Besprecht mit eurem Kind, welche Aufgaben es eher machen würde.
Bei beiden Beispielen gilt: Das Kind darf in einem gewissen Maße mitbestimmen, wann bzw. was es macht. Die Eltern setzen einen Rahmen und das Kind entscheidet. Probiert es aus! Dadurch wird die Bereitschaft es Kindes enorm gesteigert. Falls die gewählte Vereinbarung nicht funktioniert (werden die Hausaufgaben nicht oder stets zu spät gemacht oder die Aufgaben im Haushalt nicht erledigt), dann wird mit dem Kind besprochen, woran es liegt und eine andere (gemeinsame) Lösung gesucht

Keine Strafen, sondern Konsequenzen

Dass körperliche Gewalt keine Option ist, versteht sich von selbst!

Strafen als willkürliche Machtausübung und Unterdrückung des Kindes, weil man gereizt ist oder unter Stress steht, sollten vermieden werden.

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Vermeidet überzogene Strafen! Das Kind sollte verstehen, warum ihr als Eltern die Konsequenz ergreift und sie sollte im direkten Zusammenhang stehen.

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Nicht ewig diskutieren (Pro und Contra)

Hier sind wir bei Punkt 1 Konsequenz (siehe weiter unten). Welche Pros und Contras hat die Diskussion mit Ihrem Kind über die gewählte Konsequenz?

Pro

  • Wenn ihr eurem Kind die Möglichkeit gebt, sich zu äußern, lernt es seinen Standpunkt zu vertreten
  • Dieses ist wiederum sehr gut für das eigene Bewusstsein
  • Das Kind lernt für später, für sich einzustehen
  • Das Kind fühlt sich respektiert, gleichwertig und gesehen 

Contra

  • Je mehr ihr diskutiert, desto angreifbarer macht ihr euch. Euer Kind wird beim nächsten Mal ein Gegenargument genau für diesen Punkt haben 
  • Es geht dann irgendwann nicht mehr um Ihre Entscheidung, sondern wer die Diskussion gewinnt
  • Ihr werdet nicht ernst genommen
  • Es wird euch immer schwerer fallen, euch durchzusetzen 

Hört euch gerne die Argumente eures Kindes an, es soll sich ausdrücken dürfen, verbietet im nicht den Mund. Aber diskutiert nicht.

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Diese Regeln und Grenzen braucht jedes Kind

1. Eltern sollten konsequent sein

Kinder brauchen konsequente Eltern. Die häufigste Ursache, dass Kinder Regeln brechen und Grenzen überschreiten, ist die fehlende Konsequenz der Eltern. Durch die Regeln und Grenzen im Alltag bereiten wir als Eltern unsere Kinder auf das Erwachsensein vor. Das wirkt sich vor allen Dinge auch auf die Empathiefähigkeit des Kindes aus.

2. Nein heißt nein (oder: Ja heißt ja)

Kaum ein Kind wird von Anfang an ein „Nein“ der Eltern akzeptieren. Mal früher, mal später wird das Kind versuchen, doch seinen Willen zu bekommen, sei es durch weinen, schreien oder wütend zu sein. Eltern können es sich leichter machen, indem sie ihren Standpunkt darlegen und dann wie bei Punkt 1 konsequent bleiben.

3. Ungeteilte Aufmerksam schenken

Leider geht dieser Punkt sehr oft im Alltag unter. Wir Eltern sind auch nur Menschen.

Für die Kinder ist es wichtig als Individuum, mit eigenen Bedürfnissen wahrgenommen zu werden. Und dabei die volle Aufmerksamkeit zu bekommen.

Natürlich ist eine gemeinsame und entspannte Familienzeit auch sehr wertvoll!

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 4. Vorbild sein

Unsere Kinder schauen sich ALLES von uns ab. Wie rede ich mit anderen? Bin ich höflich, habe ich einen netten Umgangston? Respektiere ich andere oder lästere ich über sie? Kinder bekommen alles mit. Daher seid euch bewusst, dass euer Verhalten auf eure Kinder abfährt.

Daher sollten wir als Vorbilder für unsere Kinder Andere respektieren sowie achten.

Wie rede ich über mein Kind? Letztens stellte mir eine Bekannte ihr 2jähriges Kind vor: „Ja, das ist der Tom, er ist sehr anstrengend.“ OHA! Was so ein Kommentar mit Tom macht, könnt ihr euch denken. Das ist sicherlich (ACHTUNG: Ironie) hervorragend für sein Selbstwertgefühl. 

5. Routinen und Verlässlichkeit im Alltag

Routinen helfen Kinder, sich im Alltag zurecht zu finden. Sie geben Verlässlichkeit. Dieses ist besonders während der Schulzeit wichtig. Dadurch sind bestimmte Abläufe und Zeit vordefiniert und reduzieren dadurch Stresssituationen, die es im Falle von Unklarheiten geben könnte.

6. Gemeinsames Essen

Ein gemeinsames Essen fördert die Familieneinheit und hilft auch gut in den Tag zu starten. Eine feste Sitzordnung ist hilfreich, um mit mehr Harmonie essen zu können. Wenn man z.B. mehrere Kleinkinder hat, können sich beide Eltern so hinsetzen, dass sie beide ihren Kindern während des Essens helfen können.

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7. Regeln verständlich formulieren

Das Kind muss die Regeln verstehen. Diese sollten altersgerecht erklärt werden. Dadurch werden Missverständnisse aus dem Weg geräumt.
 

Falls die Kinder Aufgaben übernehmen sollen, ist hier eine klare Aufgabenverteilung vor Vorteil. Diese kann auch gerne wöchentlich oder monatlich wechseln. Wichtig ist, dass jedes Kind weiß, was es zu tun hat.

8. Vorteile der Regeln erläutern

Wenn ihr eurem Kind sagt, dass Ordnung wichtig ist und das nach dem Spülen die Küche super ordentlich ist …. Sowas interessiert das Kind nicht die Bohne! Mal ehrlich, uns hat es auch nicht gejuckt! Aber wenn ihr erklärt, dass, wenn sie beim Aufräumen helfen, ihr dadurch alle schneller fertig seid und somit Mama und Papa mehr Zeit haben, um auf den Spielplatz zu gehen, dann ist das eine Motivation für das Kind. Motiviert eure Kinder damit, dass sie Vorteile für sich erkennen, wenn sie helfen.

9. Medienkonsum ist keine Erholung!

Wir meinen zwar, dass, wenn wir soziale Medien anschauen oder fernsehen, wir dabei entspannen können. Das wird auch von außen so suggeriert. Der Gedanke, sich nicht mit den Alltagsproblemen befassen zu müssen und sich berieseln zu lassen, täte unserer Psyche gut. Fakt ist aber, dass unser Unterbewusstsein nicht zwischen Realität und virtuellen Medien unterscheiden kann. Daher findet in diesen Momenten auch keine Entspannung statt, wenn wir uns hektische Videos anschauen oder „Ballerspiele“ zocken. Daher sollte bei den Kindern klar geregelt sein, wann, wie lange und WAS sie anschauen. Etwas anderes ist, wenn ihr Kind am Tablet lesen oder sich (ruhige) Sachvideos anschauen möchte. Aber auch hier ist darauf zu achten, was den Kindern gut tut und vor allem ist das Alter des Kindes zu berücksichtigen.

10. Zugriff auf das Handy regeln - Mit Freunden chatten

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Ab einem gewissen Alter ist ein eigenes Handy für das Kind nicht mehr weg zu denken. Die Teenies und Jugendlichen von heute telefonieren nicht mehr, sondern chatten und tauschen sich medial aus. Wie bei Punkt 4 gilt auch, wann und wieviel. Kinder sollten je nach Alter das Handy nach der abgemachten Zeit wieder bei den Eltern abgegeben.

Wir waren früher auch nicht immer und überall erreichbar. Das meinen unsere Kinder zu müssen, weil durch die Elektronik alles sehr schnelllebig wurde. Dadurch, dass ihr Kind nur zu bestimmten Zeit mit ihren Freunden chatten darf, fördert die Entspannung, weil nicht permanent online und auch die Begegnung mit Menschen in der realen Welt.

11. Strafe vorher ansagen

Eine Konsequenz aus dem heiteren Himmel sorgt bei dem Kind für Verunsicherung. Es weiß nicht, wo es dran. Daher ist es wichtig, vorher anzusagen, dass die Konsequenz folgt, wenn sich das Kind weiterhin unerwünscht verhält oder Vereinbarungen nicht einhält.

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Kinder, die nichts dürfen, werden zu Erwachsenen, die nichts können

Noch zum Schluss: Wie bereits oben erwähnt. Kinder möchten Verantwortung übernehmen. Daher ist es gut, wenn ihr eure Kinder dabei unterstützt, sich selbst zu erfahren. Dem Kind alles vorzubereiten und fertig hinzustellen, ist eine vielleicht lieb gemeinte Geste, ist aber ein Trugschluss. Gerade wenn es gerade hektisch ist, neigen Eltern dazu, die Aufgaben lieber selbst in die Hand zu nehmen. „Bevor ich jetzt noch alles erklären muss, mache ich es lieber selbst.“ Das Problem dabei ist: Ihr müsst es auf Dauer immer selbst machen, weil das Kind nichts lernen darf. Oder sie vor allen Gefahren schützen zu möchten. Dadurch nehmen wir unseren Kindern die Chance, eigenverantwortlich und selbstständig zu agieren. Weißt sie gerne auf die Gefahren hin und nehmt euch in einer ruhigen Minute Zeit für euren Sprößling. Zeigt dem Kind, wie es bestimmte Sache selbst übernehmen kann und habt dabei Geduld ☺. Das Ganze altersgerecht gestalten. Ihr werdet überrascht sein, was euer Kind schon alles kann, wenn ihr es dabei unterstützt.
Vielen Dank für das Lesen meines Artikels. Falls ihr Anregungen oder Kommentare habt, lasst es mich gerne wissen ☺!
 
Alles Liebe,
Euer Runar
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